VOCs sind leichtflüchtige organische Stoffe

VOCs in Innenräumen: Ursachen, Risiken und wichtige Grenzwerte

Flüchtige organische Verbindungen – kurz VOCs – gehören zu den meistverbreiteten Schadstoffen in Innenräumen. Sie stammen aus alltäglichen Produkten wie Farben, Möbeln, Reinigungsmitteln oder Bodenbelägen und gelangen bereits bei Raumtemperatur in die Luft. Viele Menschen wissen nicht, dass die Innenraumluft oft stärker belastet ist als die Außenluft und VOCs spielen dabei eine zentrale Rolle. Dieser Artikel zeigt verständlich, wo VOCs vorkommen, warum sie problematisch sind, welche Grenzwerte gelten und wie du sie in deinem Zuhause reduzieren kannst.

Was sind VOCs?

VOCs (Volatile Organic Compounds) sind organische Verbindungen, die leicht verdampfen und in die Raumluft übergehen. Dazu gehören von natürlichen Terpenen aus Holz bis hin zu synthetischen Lösemitteln hunderte unterschiedliche Stoffe. Viele dieser Verbindungen sind geruchsintensiv, andere wiederum völlig geruchslos und damit schwer zu erkennen.

Typische VOCs sind zum Beispiel

  • Acetaldehyd,
  • Aceton,
  • Toluol,
  • Xylol,
  • Limonen,
  • Alpha-Pinen,
  • Styrol,
  • Benzol (krebserregend).

In der Baubiologie spielen VOCs eine wichtige Rolle, weil sie die Raumluftqualität direkt beeinflussen und sich in geschlossenen Räumen oft über Stunden oder sogar Tage anreichern.

Warum sind VOCs kritisch?

VOCs wirken je nach Stoff unterschiedlich. Sie können leicht reizend bis hochtoxisch oder krebserregend sein. Die Belastung hängt von mehreren Faktoren ab: Art des Stoffes, Konzentration, Dauer der Exposition, Raumgröße, Temperatur und Lüftungsverhalten.

Typische gesundheitliche Beschwerden durch VOCs sind

  • Kopfschmerzen,
  • Müdigkeit, Konzentrationsprobleme,
  • Brennende oder trockene Augen,
  • Reizungen der Atemwege,
  • Schwindel, Benommenheit,
  • Allergische Reaktionen,
  • Geruchsbelästigung.

Bei einigen VOCs wie z. B. Benzol besteht ein Krebsrisiko. Besonders kritisch ist, dass VOCs unsichtbar und schwer nachweisbar sind, solange sie nicht baubiologisch gemessen werden. Viele Menschen merken nur, dass „irgendetwas nicht stimmt“, ohne eine klare Ursache benennen zu können.

Wo können VOCs enthalten sein?

VOCs können aus nahezu allen baulichen und alltäglichen Materialien stammen. Sie treten sowohl in Neubauten als auch in sanierten Bestandsgebäuden auf.

Häufige VOC-Quellen im Gebäude:

  • Farben, Lacke, Lasuren,
  • Klebstoffe und Dichtmassen,
  • Beschichtungen, Versiegelungen, Harze,
  • Bodenbeläge (PVC, Laminat, Teppiche),
  • Möbel (insbesondere Span- und MDF-Platten),
  • Kunststoffe und Schäume,
  • Reinigungsmittel & Duftstoffe,
  • Elektronische Geräte,
  • Büromaterialien (Drucker, Marker, Druckerzeugnisse).

Natürliche VOC-Quellen:

Auch natürliche Produkte können VOCs freisetzen.

  • Kiefernholz: besonders hohe Emissionen (Alpha-Pinen, Delta-3-Caren).
  • Frisch gesägtes oder nicht technisch getrocknetes Holz.
  • Ätherische Öle und natürliche Wachse.
  • Harze und Öle auf pflanzlicher Basis.

Ob natürliche VOCs gesundheitlich weniger problematisch sind als synthetische, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Was sind TVOC?

TVOC steht für „Total Volatile Organic Compounds“ (Gesamte flüchtige organische Ver-bindungen). Es bezeichnet die Gesamtmenge aller flüchtigen organischen Verbindungen in der Luft. TVOC ist eine Messgröße, die verwendet wird, um die Luftqualität in Innen-räumen zu bewerten. Hohe TVOC-Werte können auf eine erhöhte Belastung durch flüchtige organische Verbindungen hinweisen. 

Es ist wichtig, TVOC-Werte in Innenräumen zu überwachen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen, um die Quellen der Verbindungen zu identifizieren und zu reduzieren, um die Luftqualität zu verbessern und das Risiko von Gesundheitsproblemen zu verringern.

Welche VOC Grenzwerte gelten?

In Deutschland existieren mehrere Richtwerte, die helfen, die Belastung in Innenräumen besser einzuordnen. Wichtig: Es handelt sich meist um Richt- und Orientierungswerte, nicht um gesetzlich verbindliche Grenzwerte für private Wohnräume.

Standard der Baubiologischen Messtechnik SBM-2024 für Schlafbereiche

  unauffälligschwach auffälligstark auffälligextrem auffällig
Lösemittel => VOC µg/m³< 100100 – 300300 – 1.000> 1.000

Gilt für => TVOC. Dominierende Einzelsubstanzen und besonders kritische Stoffe sind schärfer zu bewerten.

 

Gesetz/Richtlinie/Empfehlung/VergleichswertMax. Konzentration
Umweltbundesamt (Leitwert Stufe 1)300 µg/m³
DGNB-Zertifizierung (beste Stufe)300 µg/m³
VDB- Zert (beste Stufe)300 µg/m³Methyl-Isothiazolinon: 1 µg/m³; 
AGÖF-NormalwerteTVOC: 360 µg/m³
Einzelstoffe (Beispiele): 
Acetaldehyd 20 µg/m³
Aceton 42 µg/m³
Benzol 1 µg/m³
Ethylbenzol 1 µg/m³
Naphthalin < 1 µg/m³
Phenol < 1 µg/m³
Styrol 1 µg/m³
Toluol 7 µg/m³
m,p-Xylol 3 µg/m³
alpha-Pinen 4 µg/m³
delta-3-Caren 1 µg/m³
Limonen 4 µg/m³;
Natur< 10 µg/m³

Die Bewertung erfolgt immer im Gesamtkontext: Mischung, Quellen, Gebäudenutzung und Zeitverlauf. Eine professionelle baubiologische Raumluftmessung ist daher der beste Weg, um Belastungen zuverlässig einzuordnen.

Wie können VOCs vermieden werden?

VOCs komplett zu vermeiden ist kaum möglich, aber ihre Konzentration kann deutlich reduziert werden. Entscheidend sind Materialwahl, Nutzung der Räume und gutes Lüftungsverhalten.

Schadstoffarme und zertifizierte Produkte verwenden

  • Produkte mit Emicode EC1 / EC1PLUS.
  • Natureplus-zertifizierte Baustoffe.
  • Blaue Engel.
  • Lösemittelfreie Farben & Lacke.
  • Massivholzmöbel statt Pressspan.

Baustoffe und Möbel ausgasen lassen

  • Verpackungen frühzeitig entfernen.
  • Räume gut lüften.
  • Möbel 1–2 Wochen offen stehen lassen.
  • Frisch verlegte Bodenbeläge schonend temperieren und regelmäßig lüften.

Lüftung optimieren

  • Mehrmals täglich Stoßlüften.
  • Raumluftfeuchtigkeit im Blick behalten.
  • Luftreiniger mit Aktivkohle als Übergangslösung nutzen.
  • Keine Duftsprays oder Raumerfrischer verwenden.

Reinigungsmittel kritisch auswählen

  • Auf Duftstoffe verzichten.
  • Natürliche, einfache Reiniger bevorzugen.
  • Keine unnötigen Möbelpolitur-Düfte oder Sprays.

Holz richtig auswählen

  • Technisch getrocknetes Holz bevorzugen.
  • Emissionsarme Öle & Wachse nutzen.
  • Holz nicht heiß lagern oder frisch schleifen ohne Lüftung.

Bei Beschwerden frühzeitig messen lassen

Wenn Kopfschmerzen, Gerüche oder Müdigkeit auftreten, lohnt sich eine baubiologische Raumluftmessung, insbesondere nach Renovierungen, Möbelkäufen oder bei Altbausanierungen.

Weiterführende Informationen zu VOCs

AGÖF-Orientierungswerte für flüchtige organische Verbindungen in der Raumluft

Festgelegte Richtwerte vom Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR)

Zusammenfassung

VOCs beeinflussen die Innenraumluft stärker, als viele Menschen vermuten. Sie sind überall im Alltag zu finden und können – je nach Konzentration – gesundheitliche Beschwerden verursachen. Mit der richtigen Materialwahl, gutem Lüften und bewusstem Umgang mit Baustoffen und Reinigungsmitteln lässt sich die Belastung jedoch deutlich reduzieren. Eine professionelle Messung schafft Klarheit, wenn der Verdacht auf eine Belastung besteht. Ein gesundes Zuhause beginnt immer mit einer guten Raumluft.

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Häufige Fragen zu VOCs in Innenräumen (FAQ)

VOCs (Volatile Organic Compounds, flüchtige organische Verbindungen) sind organische Stoffe, die schon bei Raumtemperatur leicht verdampfen und in die Raumluft übergehen. Dazu zählen Hunderte Verbindungen, von natürlichen Terpenen aus Holz bis zu synthetischen Lösemitteln. Manche sind geruchsintensiv, andere völlig geruchlos und damit schwer zu erkennen.

VOC bezeichnet die einzelnen flüchtigen organischen Verbindungen, TVOC (Total Volatile Organic Compounds) ihre Gesamtmenge in der Luft. Der TVOC-Wert dient als Messgröße, um die Innenraumluftqualität einzuordnen. Ein hoher TVOC-Wert weist auf eine erhöhte Belastung hin, ersetzt aber nicht die Betrachtung kritischer Einzelstoffe.

Das hängt vom Stoff ab und reicht von leicht reizend bis hochtoxisch oder krebserregend. Entscheidend sind Art, Konzentration, Expositionsdauer, Raumgröße, Temperatur und Lüftung. Einige VOCs wie Benzol bergen ein Krebsrisiko.

Typisch sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, brennende oder trockene Augen, Atemwegsreizungen, Schwindel und allergische Reaktionen. Oft merken Betroffene nur, dass etwas nicht stimmt, ohne die Ursache benennen zu können, weil VOCs unsichtbar und ohne Messung schwer nachweisbar sind.

Quellen sind Farben, Lacke, Lasuren, Klebstoffe, Dichtmassen, Beschichtungen, Bodenbeläge wie PVC, Laminat und Teppich, Möbel aus Span- und MDF-Platten, Kunststoffe, Reinigungsmittel und Duftstoffe sowie elektronische Geräte und Büromaterial. Sie treten in Neubauten ebenso auf wie in sanierten Bestandsgebäuden.

Ja. Besonders Kiefernholz emittiert viel (Alpha-Pinen, Delta-3-Caren), ebenso frisch gesägtes oder nicht technisch getrocknetes Holz, ätherische Öle, Wachse sowie pflanzliche Harze und Öle. Ob natürliche VOCs gesundheitlich weniger problematisch sind als synthetische, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.

Für private Wohnräume gibt es meist Richt- und Orientierungswerte, keine gesetzlich verbindlichen Grenzwerte. Nach SBM gelten TVOC-Werte unter 100 µg/m³ als unauffällig, 100 bis 300 als schwach, 300 bis 1.000 als stark und über 1.000 als extrem auffällig. Der UBA-Leitwert der Stufe 1 liegt bei 300 µg/m³, der AGÖF-Normalwert für TVOC bei rund 360 µg/m³, natürliche Hintergrundwerte unter 10 µg/m³.

Nein. Dominierende Einzelsubstanzen und besonders kritische Stoffe wie Benzol müssen schärfer bewertet werden. Die Einordnung erfolgt immer im Gesamtkontext aus Stoffmischung, Quellen, Gebäudenutzung und zeitlichem Verlauf.

Häufig ja. In geschlossenen Räumen reichern sich VOCs aus Materialien und Produkten oft über Stunden oder Tage an, sodass die Innenraumluft stärker belastet sein kann als die Außenluft.

Setze auf schadstoffarme, zertifizierte Produkte mit Siegeln wie Emicode EC1 und EC1 PLUS, Natureplus oder Blauer Engel, lösemittelfreie Farben und Massivholz statt Pressspan. Lass neue Möbel ein bis zwei Wochen ausgasen, lüfte mehrmals täglich per Stoßlüftung, verzichte auf Duftsprays und wähle Reinigungsmittel bewusst.

Neue Produkte und frisch verbaute Materialien emittieren besonders stark, weshalb die Werte in Neubauten und kurz nach Renovierungen oder Möbelkäufen erhöht sind. Mit guter Lüftung und Zeit sinken sie, einzelne Quellen können aber länger nachwirken.

Sicherheit gibt nur eine baubiologische Raumluftmessung. Sinnvoll ist sie besonders bei Beschwerden wie Kopfschmerzen, Gerüchen oder Müdigkeit sowie nach Renovierungen, Möbelkäufen oder Altbausanierungen.

Dipl. Ing. Ester Karl
Dipl. Ing. Ester Karl

Bauingenieurin, Baubiologin (IBN), baubiologische Messtechnikerin (IBN) für Schimmel und Schadstoffe in Innenräumen

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