Fugenloser Boden steht für modernes Wohnen. Sie wirken ruhig, großzügig und architektonisch klar. Besonders in offenen Grundrissen, im Bad oder in Kombination mit Sichtbeton und minimalistischer Einrichtung sind sie seit Jahren gefragt. Der „clean look“ vermittelt Hygiene, Reduktion und Zeitlosigkeit.
Doch genau hier lohnt sich ein zweiter Blick. Eine nahtlose Oberfläche bedeutet nicht automatisch ein gesundes Raumklima. Hinter vielen fugenlosen Böden stehen komplexe Kunstharzsysteme mit chemischen Ausgangsstoffen, die sowohl gesundheitlich als auch ökologisch kritisch zu bewerten sind. Wer langfristig wohngesund bauen oder sanieren möchte, sollte deshalb nicht nur das Design, sondern die gesamte Materialkette betrachten.
In diesem Artikel erfährst du, warum fugenlose Böden aus Epoxidharz oder Polyurethan kritisch hinterfragt werden müssen, welche gesundheitlichen Risiken und ökologischen Probleme mit diesen Materialien verbunden sind und warum besonders Allergiker, Kinder und empfindliche Personen gefährdet sind.
Was ist ein fugenloser Boden?
Fugenlose Böden, auch als Gussböden oder Flüssigböden bezeichnet, bestehen aus flüssigen Kunstharzen oder mineralischen Bindemitteln, die auf einen vorbereiteten Untergrund aufgetragen und ausgehärtet werden. Die gängigsten Varianten basieren auf Epoxidharzen oder Polyurethan (PU), die nach dem Aushärten eine geschlossene, nahtlose Oberfläche bilden.
Daneben gibt es mineralische Systeme, die teilweise mit Kunstharzen versiegelt werden. Genau hier beginnt jedoch die entscheidende Differenzierung: Handelt es sich um einen rein mineralischen Aufbau oder um einen Kunststoffboden mit mineralischer Optik? Diese Unterscheidung ist für die gesundheitliche Bewertung zentral.
Vorteile von einem fugenlosen Boden
Die Vorzüge fugenloser Böden sind vielfältig und erklären ihre Beliebtheit:
- Pflegeleicht: Die glatte Oberfläche ermöglicht eine einfache und gründliche Reinigung.
- Designflexibilität: Farbige Gestaltungsmöglichkeiten, individuelle Muster und sogar 3D-Effekte sind realisierbar.
- Langlebigkeit: Bei fachgerechter Verarbeitung sind fugenlose Böden extrem robust, abriebfest und widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen.
- Barrierefreiheit: Sie eignen sich ideal für rollstuhlgerechte oder stufenlose Übergänge.
Trotz dieser Vorteile gilt es, die gesundheitlichen und ökologischen Risiken der verwendeten Materialien kritisch zu hinterfragen.
Warum gelten fugenlose Böden als hygienisch?
Das Argument der Hygiene wird häufig ins Feld geführt. Tatsächlich bieten fehlende Fugen weniger Rückzugsräume für Schmutz oder Feuchtigkeit. In gewerblichen Küchen oder Laborbereichen kann das sinnvoll sein.
Im Wohnbereich wird dieses Argument jedoch oft unreflektiert übernommen. Entscheidend ist nicht nur, ob sich Schmutz absetzen kann, sondern welche Stoffe aus dem Boden selbst in die Raumluft gelangen. Eine glatte Oberfläche schützt nicht vor Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC), hormonell wirksamer Substanzen oder Abriebpartikeln.
Hygiene darf nicht mit chemischer Unbedenklichkeit verwechselt werden.
Epoxidharze: Gesundheitliche und ökologische Risiken
Chemische Zusammensetzung und Herstellungsprozess
Epoxidharze (EP-Harze) entstehen durch die Reaktion von Bisphenol A (BPA) mit Epichlorhydrin. Über 90 Prozent der weltweiten Epoxidharzproduktion basiert auf dieser Kombination (Quelle). BPA ist eine chemische Verbindung, die seit Jahrzehnten wegen ihrer hormonellen Wirksamkeit in der Kritik steht. Es handelt sich um einen sogenannten endokrinen Disruptor, der den Hormonhaushalt stören und langfristig zu Fruchtbarkeitsstörungen, Stoffwechselerkrankungen und Krebs führen kann. Epichlorhydrin ist als krebserregend (Kategorie 1B), erbgutverändernd (Kategorie 1B) und reproduktionstoxisch (Kategorie 1B) eingestuft.
Laut einer Studie der Washington State University, die im National Geographic (Quelle) vorgestellt wurde, sind selbst BPA-freie Alternativen wie Bisphenol S (BPS) oder Bisphenol F (BPF) nicht unbedenklich. Diese Ersatzstoffe weisen eine ähnliche chemische Struktur auf und können vergleichbare gesundheitliche Risiken bergen. Die Studie zeigt, dass BPA und seine Alternativen die Produktion von Eizellen und Spermien beeinträchtigen und diese Schäden sogar an nachfolgende Generationen weitergegeben werden können. Die Forscher warnen davor, dass BPA-freie Produkte nicht automatisch sicher sind, da die Ersatzstoffe im Körper ähnlich wirken wie BPA selbst.
Gesundheitliche Risiken im Innenraum
Epoxidharze können während der Verarbeitung und Nutzung gesundheitsschädliche Emissionen freisetzen:
- Sensibilisierungspotenzial: Epoxidharze sind bekannt für ihr hohes Allergiepotenzial. Bei unsachgemäßer Verarbeitung können sie Hautreizungen, Atemwegsprobleme und allergische Reaktionen auslösen. Besonders gefährdet sind Personen mit bestehenden Allergien oder Asthma.
- Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs): Während der Aushärtung und in der Zeit danach können VOCs in die Raumluft abgegeben werden. Diese Verbindungen können Kopfschmerzen, Übelkeit und langfristig sogar neurologische Schäden verursachen.
- Langzeitbelastung: Selbst nach dem Aushärten können Epoxidharze Schadstoffe abgeben, insbesondere bei mechanischer oder thermischer Belastung (z. B. durch Reinigungsmittel oder Fußbodenheizungen).
Bei unsachgemäßer Verarbeitung kommt es zu erhöhten Emissionen, die die Raumluftqualität nachhaltig beeinträchtigen.
Auch wenn Bisphenol A (BPA) in ausgehärteten Epoxidharzböden chemisch fest gebunden ist und der mechanische Abrieb im Vergleich zu anderen Kunststoffen wie etwa PVC-Böden oder Teppichen deutlich geringer ausfällt, stellt das freigesetzte Mikroplastik dennoch ein gesundheitliches Risiko dar. BPA wirkt bereits in extrem niedrigen Konzentrationen als endokriner Disruptor und kann selbst in Spuren hormonelle Prozesse stören.
Da Epoxidharzböden oft in großen Flächen verlegt werden, summieren sich selbst minimale Abriebmengen zu einer relevanten Gesamtbelastung. Studien zeigen, dass bereits Nanogramm-Mengen an endokrin wirksamen Substanzen wie BPA ausreichen, um langfristig negative Effekte auf das Hormonsystem, die Fruchtbarkeit oder die neurologische Entwicklung auszulösen. Besonders in Innenräumen, in denen Menschen täglich vielen Stunden verbringen, kann diese chronische Exposition zu einer schleichenden, aber kontinuierlichen Belastung führen. Die Fläche macht hier den Unterschied: Was auf den ersten Blick wie eine vernachlässigbare Menge erscheint, wird durch die schiere Größe der belasteten Oberfläche und der Wirksamkeit bei geringen Mengen zu einem nicht zu unterschätzenden Risikofaktor.
Außerdem zeigen Untersuchungen, dass unter mechanischer oder thermischer Belastung, wie z.B. durch Fußbodenheizungen oder aggressive Reinigungsmittel erneut Stoffe freigesetzt werden können.
Ökologische Bedenken
Die Herstellung von Epoxidharzen ist ressourcenintensiv und umweltschädlich:
- Fossile Rohstoffe: Epoxidharze werden aus Erdöl und Erdgas hergestellt. Der hohe Energie- und Wasserverbrauch während der Produktion belastet die Umwelt zusätzlich.
- Chlorchemie: Epichlorhydrin, ein zentraler Bestandteil von Epoxidharzen, wird unter Einsatz von Chlor hergestellt. Dies führt zu hohen Salzfrachten im Abwasser, die Gewässer belasten.
- Nicht recycelbar: Epoxidharze sind Duroplaste und lassen sich nach dem Aushärten nicht mehr stofflich verwerten. Sie müssen verbrannt oder deponiert werden, was zu weiteren Umweltbelastungen führt. Neue Entwicklungen ermöglichen zwar das chemisches Recycling oder thermisches Recycling durch die Zugabe von Phosphor (Quelle), aber diese Prozesse sind i.d.R. sehr umweltschädlich.
Die Ökobilanz von Epoxidharzen fällt damit deutlich schlechter aus als bei vielen alternativen Baustoffen.
Polyurethan (PU): Gesundheitliche und ökologische Risiken
Polyurethan-Böden gelten als elastischer und weniger bruchanfällig als Epoxidharze. Dabei besteht oft nicht der ganze Boden aus Polyurethan, sondern es werden verschiedene Materialien kombiniert, wie z. B. mineralische Baustoffe, die mit einer PU-Beschichtung versiegelt werden. Doch auch hier gibt es erhebliche gesundheitliche und ökologische Bedenken.
Was ist Polyurethan (PU)?
Polyurethan (PU) ist ein Kunststoff, der durch die Reaktion von Isocyanaten mit Polyolen entsteht. Es handelt sich um einen hochelastischen, abriebfesten und chemikalienbeständigen Werkstoff, der in verschiedenen Formen vorkommt: von weichen Schäumen (z. B. in Matratzen) bis hin zu harten Beschichtungen (z. B. in fugenlosen Böden).
Wie kommt Polyurethan bei fugenlosen Böden zum Einsatz?
PU wird oft nicht als reiner Bodenbelag, sondern als Beschichtung oder Bindemittel eingesetzt. Bei fugenlosen Böden kommt es beispielsweise als:
- Versiegelungsschicht auf mineralischen Untergründen (z. B. Beton oder Estrich): Hier wird eine flüssige PU-Schicht auf einen vorbereiteten Untergrund (z. B. Beton, Estrich oder Holz) aufgetragen und ausgehärtet.
- Bindemittel in Gussböden (kombiniert mit Quarzsand oder anderen Füllstoffen): Bei dieser Variante wird PU als Bindemittel für mineralische Füllstoffe (z. B. Quarzsand, Kalk oder Zement) verwendet.
- Klebstoff für mehrschichtige Bodenaufbauten
zum Einsatz.
Auch viele moderne Epoxidharzböden werden zusätzlich mit PU versiegelt.
Warum ist Polyurethan in fugenlosen Böden problematisch?
Polyurethan-Böden bieten zwar praktische Vorteile wie Elastizität, Pflegeleichtigkeit und Designflexibilität, doch ihre Herstellung, Verarbeitung und Nutzung bergen erhebliche Risiken.
Probleme während der Herstellung: Giftige Ausgangsstoffe und Hochrisikoprozesse
Die Produktion von PU basiert auf Isocyanaten, die zu den giftigsten Chemikalien in der Industrie zählen. Besonders kritisch sind:
- TDI (Toluylendiisocyanat) – kann Lungenschäden verursachen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein.
- MDI (Methylendiphenyldiisocyanat) – löst Haut- und Atemwegsreizungen aus und kann Asthma auslösen.
Zusätzlich entsteht bei der Herstellung von PU Phosgen. Das ist ein extrem giftiges Gas, dass z.B. im ersten Weltkrieg als Kampfmittel eingesetzt wurde.
Diese Stoffe erfordern höchste Sicherheitsvorkehrungen in der Industrie, doch Störfälle (z. B. Lecks in Produktionsanlagen) können zu Umweltbelastungen und Gesundheitsgefahren für Arbeiter:innen führen. Es ist eine Hochrisikotechnologie, die bei kleinsten Fehlern giftige Emissionen frei setzten kann.
Die Chemiekatastrophe von Bhopal am 3. Dezember 1984 gilt als einer der schwerwiegendsten Industrieunfälle der Geschichte und verdeutlicht die extremen Gefahren von Isocyanaten, die auch in der Herstellung von Polyurethan (PU) eine zentrale Rolle spielen. In der indischen Stadt Bhopal entwich in einer Pestizidfabrik des US-Konzerns Union Carbide (heute Dow Chemical) Methylisocyanat (MIC), ein hochgiftiges Zwischenprodukt, das bei der Herstellung von PU-Kunststoffen und Pestiziden verwendet wird. Durch technische Mängel, Sicherheitslücken und unzureichende Wartung gelangten etwa 40 Tonnen MIC-Gas in die Umgebung. Die Folgen waren verheerend: Schätzungsweise 3.800 Menschen starben sofort, über 15.000 weitere in den folgenden Jahren an den Spätfolgen wie Lungenversagen, Krebs und Organversagen. Mehr als 500.000 Menschen wurden verletzt, viele davon mit chronischen Atemwegserkrankungen, Augenschäden und neurologischen Schäden. Die Katastrophe zeigte, wie hochgiftig und unberechenbar Isocyanate selbst in kontrollierten Industrieanlagen sind. Bis heute leiden Überlebende unter den Folgen.
Probleme während der Verarbeitung: Gefahren für Handwerker und Nutzer
Beim Einbau von PU-Böden, insbesondere bei 2-Komponenten-Systemen (2K-PU), können Isocyanate und Lösemittel freigesetzt werden. Typische Risiken sind:
- Atemwegsreizungen durch Dämpfe und Aerosole.
- Haut- und Augenreizungen bei direktem Kontakt mit flüssigem PU.
- Sensibilisierungsgefahr: einmal allergisch reagierende Personen können lebenslang empfindlich auf Isocyanate bleiben.
Daher sind Schutzmaßnahmen bei der Anwendung unverzichtbar. Dazu gehören Atemschutzmasken, die Isocyanate herausfiltern können, Handschuhe, Schutzbrille und eine gute Belüftung. Viele Handwerker:innen gehen damit fahrlässig um. Vor allem bei Arbeiten draußen wird die unmittelbare Belastung oft unterschätzt und die Arbeiten ohne Schutzmaßnahmen durchgeführt.
Isocyanate sind unter REACH beschränkt, weil sie u. a. die häufigste Ursache für berufsbedingtes Asthma in der Bauindustrie darstellen. (Quelle) Aus diesem Grund müssen Handwerker Schulungen vor der Verwendung von betroffenen Bauprodukten durchlaufen. (Quelle)
Probleme während der Wohnphase: Langfristige Emissionen und Weichmacher
Auch nach der Aushärtung können PU-Böden Schadstoffe an die Raumluft abgeben, insbesondere:
- Rest-Isocyanate, die nicht vollständig reagiert haben.
- Zusatzstoffe (siehe unten)
- Lösemittelreste, die über Monate bis Jahre langsam ausdünsten.
Das ist besonders problematisch in:
- Schlafzimmern & Kinderzimmern (lange Aufenthaltsdauer)
- Wohnräumen mit Fußbodenheizung (Wärme beschleunigt Emissionen)
- Gebäuden mit schlechter Lüftung (Schadstoffe reichern sich an).
Hinzu kommen Probleme durch Mikroplastik, was durch Abrieb entstehen kann. Auch hier gilt wieder, dass der Abrieb im Vergleich z.B. zu Kunststoffteppichen sehr gering ist. Aber durch die großen Flächen, können sich die Mengen aufaddieren.
Brandgefahr durch Polyurethan-Böden: Giftige Rauchgase als tödliches Risiko
Im Brandfall setzen Polyurethan (PU)-Böden extrem giftige Gase frei, die bis zu dreimal toxischer sind als die von Holz. Besonders gefährlich sind:
- Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN) – 25-mal giftiger als Kohlenmonoxid und bereits in kleinen Mengen tödlich.
- Kohlenmonoxid (CO) – führt zu Bewusstlosigkeit und Erstickung, oft ohne Vorwarnung.
- Stickoxide (NOx) – reizen Atemwege und Lunge, können chronische Erkrankungen auslösen.
- Rückgebildete Isocyanate (TDI/MDI) – entstehen durch Hitze und vergiften die Brandgase zusätzlich, lösen Asthma und Lungenödeme aus.
Während Holz vor allem CO₂, CO und Wasserdampf freisetzt, entstehen bei PU zusätzlich Blausäure, Isocyanate und Stickoxide. Das ist eine besonders tödliche Mischung, die Rettungskräfte und Bewohner gleichermaßen gefährdet. Besonders in schlecht belüfteten Räumen wie Schlaf- oder Kinderzimmern kann dies innerhalb weniger Minuten zum Tod führen
Probleme im Sanierungsfall: Gefahren beim Entfernen alter PU-Böden
Die Entfernung oder Bearbeitung von Polyurethan (PU)-Böden durch Schleifen, Fräsen oder Bohren birgt erhebliche gesundheitliche Risiken, die oft unterschätzt werden. Während der Sanierung können giftige Partikel und Dämpfe freigesetzt werden, die Atemwege, Haut und Augen reizen sowie langfristige gesundheitliche Schäden verursachen.
Feinstaub mit Isocyanat-Resten
Beim Schleifen oder Fräsen von PU-Böden entsteht Feinstaub, der nicht vollständig ausgehärtete Isocyanat-Reste enthalten kann. Diese mikroskopisch kleinen Partikel gelangen über die Atemluft in die Lunge und können akute Reizungen der Atemwege (Husten, Atemnot, Bronchitis), allergische Reaktionen (Isocyanat-Asthma, Hautekzeme) und eine Sensibilisierung auslösen.
Besonders gefährdet sind Handwerker:innen und Sanierer:innen, die regelmäßig mit PU-Staub in Kontakt kommen. Selbst bei kurzzeitiger Exposition können chronische Atemwegserkrankungen entstehen.
Giftige Dämpfe bei Hitzeeinwirkung
Wird ein PU-Boden erhitzt, z.B. durch Föhnabbau, Schleifmaschinen oder unsachgemäßes Schweißen, können giftige Dämpfe freigesetzt werden. Ab Temperaturen über 130°C beginnen sich Isocyanate rückzubilden und gelangen als gasförmige Schadstoffe in die Raumluft. Typische Risiken sind:
- Blausäure (HCN) – bereits geringe Mengen können zu Bewusstlosigkeit und Atemlähmung führen.
- Formaldehyd und Acrolein – reizen Augen, Nase und Rachen, können Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen.
- Ammoniak und Stickoxide (NOx) – führen zu Atemwegsreizungen und langfristigen Lungenschäden.
Kontamination der Raumluft
Ein weiteres unterschätztes Risiko ist die Verbreitung von PU-Staub und -Dämpfen in der Raumluft, wenn keine staubdichte Absaugung erfolgt. Selbst nach der Sanierung können Rückstände in Teppichen, Vorhängen oder Belüftungssystemen haften bleiben und langfristig die Innenraumluft belasten.
Folgen einer unsachgemäßen Sanierung:
❌ Dauerhafte Geruchsbelästigung durch chemische Rückstände
❌ Reizungen der Schleimhäute (Augenbrennen, Husten, Halsschmerzen)
❌ Erhöhtes Allergie- und Asthmarisiko für Bewohner
❌ Langfristige Belastung mit Weichmachern und Lösemitteln, die aus dem Boden ausdünsten
Die Sanierung von PU-Böden ist kein harmloser Renovierungsvorgang, sondern erfordert professionelle Schutzmaßnahmen, um gesundheitliche Spätfolgen zu vermeiden.
Bedenkliche Zusatzstoffe in PU-Böden
Polyurethan (PU)-Böden enthalten nicht nur Isocyanate, sondern eine Reihe weiterer chemischer Zusätze, die gesundheitliche Risiken bergen können. Viele dieser Stoffe werden zugesetzt, um die Verarbeitung, Haltbarkeit oder Optik zu verbessern. Sie können langfristige Schäden für Mensch und Umwelt verursachen. Hier die wichtigsten Zusatzstoffe und ihre potenziellen Gefahren:
Weichmacher (Phthalate)
Weichmacher erhöhen die Flexibilität und Elastizität des Materials. Auch wenn ein Kunststoff nicht biegsam ist, kann er Weichmacher enthalten, um die Sprödigkeit zu reduzieren.
Die Risiken hängen von jeweiligen Weichmacher ab. Besonders kritische Weichmacher gehören zu den Phthalaten. Sie können reproduktionstoxisch, hormonell wirksam und organschädigend sein. Aber auch neuere Weichmacher können problematisch sein. Wir wissen es oft nur noch nicht, weil Langzeitstudien fehlen.
Flammschutzmittel
Flammschutzmittel verbessern den Brandschutz und verlangsamen die Entflammbarkeit. Je nach Mittel können diese das Nervensystem schädigen, krebserrengend sein oder hormonelle Störungen auslösen. Kunststoffe sind besonders oft mit Flammschutzmitteln ausgerüstet.
Lösemittel
Lösemittel erleichtern die Verarbeitung, indem sie die Viskosität des Materials anpassen.
Sie können je nach Stoff Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit (akute Vergiftungserscheinungen), Leberschäden bei langfristiger Exposition und Reizung der Atemwege und Augen (kann zu chronischen Entzündungen führen) auslösen.
Katalysatoren
Katalysatoren beschleunigen die Aushärtung und verbessern die Vernetzung des PU.
Sie können je nach Stoff toxisch für das Nervensystem sein oder Haut- und Schleimhautreizungen und allergische Reaktionen auslösen.
UV-Stabilisatoren
UV-Stabilisatoren schützen vor Vergilbung und Versprödung durch Sonnenlicht.
Sie können je nach Stoff hormonell wirksam sein oder krebs auslösen.
Die meisten PU-Produkte enthalten ein Cocktail aus Chemikalien, deren Langzeitwirkungen kaum erforscht sind.
Baubiologische Einordnung: Warum PU-Böden kritisch zu sehen sind
Aus baubiologischer und ökologischer Sicht sind PU-Böden nicht empfehlenswert, da sie in allen Phasen ihres Lebenszyklus Risiken bergen. Das es zumindest im Bodenbereich ausreichend Alternativen gibt, sollte auf fugenlose Böden mit PU und Epoxidharzen verzichtet werden.
Weiterführende Infos: https://docplayer.org/17436095-Isocyanate-und-polyurethane-nr-140502-untersuchung-von-isocyanaten-und-polyurethanen-aus-baubiologischer-sicht.html
Alternativen zu Epoxidharz- und PU-Böden
Es gibt keine Siegel für fugenlose Böden. Angesichts der Risiken synthetischer Harze empfiehlt sich der Einsatz natürlicher und gesundheitlich unbedenklicher Alternativen.
Clay Casein
Ein Clay-Casein-Boden (auch Lehm-Kasein-Boden genannt) ist ein natürlicher, fugenloser Bodenbelag, der aus einer Mischung von Lehm und dem Milchprotein Kasein als Bindemittel besteht. Die oberste Schicht wird im Wachs eingelassen. Diese Kombination macht den Boden besonders umweltfreundlich, schadstoffarm und diffusionsoffen. Allerdings ist er nicht für Feuchträume geeignet und eingeschränkter in der Farbauswahl im Vergleich zu Epoxid- oder PU-Böden.
Mikrozement mit ÖL/Wachs
Ein fugenloser Boden aus Zement mit Öl- oder Wachsversiegelung ist eine moderne Alternative zu synthetischen Bodenbelägen wie Epoxidharz oder Polyurethan. Dieser Boden besteht aus einem mineralischen Untergrund (meist Zement oder Feinbeton), der nach dem Aushärten mit natürlichen Ölen oder Wachsen behandelt wird. Im Vergleich zu einer PU-Beschichtung sind Öle und Wachse optisch empfindlicher gegenüber Wasser und Fetten. Bei Mikrozement muss darauf geachtet werden, ob dieser mit Kunststoffen vergütet ist.
Terrazzo
Terrazzo ist ein zeitloser, vielseitiger Bodenbelag, der aus einer Mischung von Marmor-, Granit- oder Glasbruchstücken und einem Bindemittel besteht. Traditionell wurde Terrazzo mit Zement als Bindemittel hergestellt, heute gibt es auch Varianten mit Kunstharz. Für ein wohngesundes Zuhause ist jedoch natürlicher Terrazzo mit mineralischem Bindemittel (z. B. Zement) die beste Wahl, da er schadstoffarm und diffusionsoffen ist. Zement ist allerdings kein komplett baubiologischer Baustoff als Bodenbeschichtung, weil Zement ebenso einige Probleme mit sich bringt. Bei Terrazzo sollte ebenfalls genau auf die Oberflächenversiegelung geachtet werden.
Polierter Beton
Polierter Beton ist ein moderner, fugenloser Bodenbelag, der durch das Schleifen und Polieren einer Betonoberfläche entsteht. Für polierter Beton gilt das gleiche wie für Terrazzo und Mikrozement mit den Kunststoffvergütungen, dem Zement und den Oberflächenversiegelungen.
Fugenloser Boden: Gesundheit und Nachhaltigkeit gehen vor
Fugenlose Böden bieten zweifellos praktische und ästhetische Vorteile. Doch die Wahl des Materials ist entscheidend für Gesundheit und Umwelt. Epoxidharze und PU-Böden bergen erhebliche Risiken, die in Wohnräumen nicht unterschätzt werden dürfen.




