Lacke können viele problematische Stoffe enthalten

Lacke im Überblick: Arten, Inhaltsstoffe, Gesundheitsrisiken und ökologische Alternativen

Lacke werden im Bau-, Renovierungs- und Möbelbereich häufig eingesetzt, um Oberflächen zu schützen und optisch aufzuwerten. Sie bilden nach dem Auftragen eine feste Beschichtung, die Materialien vor Feuchtigkeit, mechanischer Abnutzung und chemischen Einflüssen schützt. Gleichzeitig können sie Oberflächen eine dekorative Wirkung verleihen und die Lebensdauer von Bauteilen verlängern.

Aus baubiologischer Sicht sind Lacke jedoch kritisch zu bewerten. Viele Produkte enthalten Lösemittel, Konservierungsmittel oder andere chemische Zusatzstoffe, die während der Verarbeitung oder auch noch lange nach der Trocknung in die Raumluft abgegeben werden können. Daher lassen sich im Bereich der Lacke meist nur Kompromisslösungen finden. Besonders in Innenräumen sollte der Einsatz möglichst reduziert und die Produktauswahl sorgfältig getroffen werden.

Im folgenden Artikel werden die wichtigsten Lackarten, Inhaltsstoffe, gesundheitlichen Risiken sowie Umweltzeichen und Alternativen ausführlich erklärt.

Was sind Lacke und wofür werden sie eingesetzt

Lacke sind flüssige oder pastöse Beschichtungsstoffe, die nach dem Auftragen durch physikalische oder chemische Prozesse zu einer festen und widerstandsfähigen Schicht aushärten. Diese Schicht schützt Oberflächen und verändert gleichzeitig deren optische Eigenschaften.

Sie werden auf unterschiedlichen Materialien eingesetzt, darunter Holz, Metall, Kunststoff und mineralische Untergründe. Die Beschichtung schützt vor Feuchtigkeit, Verschleiß, chemischen Einwirkungen und mechanischen Belastungen. Darüber hinaus sorgen Lacke für eine gleichmäßige Oberfläche und können glänzende, matte oder farbige Effekte erzeugen.

Ein Lack besteht in der Regel aus mehreren Komponenten. Das Bindemittel sorgt für die Filmbildung und Haftung auf dem Untergrund. Lösemittel oder Wasser stellen die Verarbeitbarkeit sicher. Pigmente erzeugen Farbe und Deckkraft, während Additive Eigenschaften wie Verlauf, Trocknungszeit oder Haltbarkeit beeinflussen.

Gerade diese Vielzahl an Zusatzstoffen führt jedoch dazu, dass viele Lacke gesundheitlich oder ökologisch problematische Stoffe enthalten können.

Warum Lacke aus baubiologischer Sicht kritisch sind

Viele Lackprodukte enthalten flüchtige organische Verbindungen, sogenannte VOC. Diese Stoffe können während der Verarbeitung und teilweise auch über längere Zeit nach der Trocknung in die Raumluft abgegeben werden. VOC können Kopfschmerzen, Reizungen der Atemwege oder allergische Reaktionen verursachen und die Innenraumluftqualität deutlich verschlechtern.

Neben Lösemitteln können auch Konservierungsmittel, Biozide, Weichmacher oder Restmonomere enthalten sein. Einige dieser Stoffe stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein oder Allergien auszulösen.

Hinzu kommt, dass viele synthetische Bindemittel auf petrochemischen Rohstoffen basieren und in der Herstellung sowie Entsorgung ökologische Belastungen verursachen.

Aus baubiologischer Perspektive sollte daher geprüft werden, ob eine Lackbeschichtung überhaupt notwendig ist oder ob alternative Oberflächenbehandlungen wie Öle oder Wachse eingesetzt werden können.

Wichtige Hinweise zur Verarbeitung von Lacken

Bei der Verarbeitung von Lacken spielen neben der Auswahl des Produkts auch Arbeitsschutz und Untergrundvorbereitung eine wichtige Rolle.

Herstellerangaben und Untergrundvorbereitung

Vor jeder Lackierung sollten die technischen Datenblätter und Sicherheitsdatenblätter des Herstellers gelesen werden. Sie enthalten wichtige Hinweise über Sicherheitsmaßnahmen, zur Verarbeitungstemperatur, zur Vorbereitung des Untergrundes und zur empfohlenen Trocknungszeit.

Eine sorgfältige Vorbereitung der Oberfläche ist entscheidend für die Haltbarkeit der Beschichtung. Alte Lackschichten müssen häufig angeschliffen werden, damit der neue Lack ausreichend haftet.

Belüftung und Arbeitsschutz bei Lackierarbeiten

Während der Verarbeitung und Trocknung können gesundheitsschädliche Dämpfe entstehen. Deshalb sollte stets für eine gute Belüftung gesorgt werden. Besonders bei lösemittelhaltigen Lacken ist eine intensive Durchlüftung erforderlich.

Zusätzlich empfiehlt sich das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung. Atemschutzmasken, Schutzbrillen und Schutzhandschuhe können verhindern, dass Stäube, Dämpfe oder Lacke in den Körper gelangen.

Risiken beim Überstreichen alter Lackschichten

Bei Renovierungsarbeiten ist Vorsicht geboten, wenn alte Beschichtungen überarbeitet werden. Ältere Lacke können Schwermetalle, Weichmacher oder andere problematische Stoffe enthalten. Beim Schleifen solcher Schichten entstehen feine Stäube, die eingeatmet werden können und gesundheitliche Risiken darstellen.

In solchen Fällen sollte die Belastung des Altanstrichs möglichst vorher geprüft werden.

Warum der Einsatzort entscheidend ist

Nicht jeder Lack eignet sich für jeden Einsatzbereich. Lacke für den Innenraum sind häufig nicht ausreichend witterungsbeständig und sollten daher nicht im Außenbereich verwendet werden. Umgekehrt können Außenlacke Inhaltsstoffe enthalten, die für Innenräume ungeeignet sind.

Deshalb sollte immer ein Produkt gewählt werden, das für den vorgesehenen Einsatzbereich zugelassen ist.

Unterschied zwischen wasserbasierten und lösemittelhaltigen Lacken

Lacke lassen sich grundsätzlich in wasserbasierte und lösemittelhaltige Systeme einteilen. Beide Varianten unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Emissionen und ihrer technischen Eigenschaften.

Eigenschaften wasserbasierter Lacke

Wasserbasierte Lacke verwenden Wasser als Hauptlösungsmittel. Sie werden häufig auch als wasserverdünnbare Lacke oder Wasserlacke bezeichnet. In vielen Fällen handelt es sich um sogenannte Dispersionslacke, bei denen das Bindemittel als feine Dispersion im Wasser vorliegt.

Diese Lacke verursachen in der Regel geringere Emissionen als lösemittelhaltige Produkte und lassen sich leicht verarbeiten. Werkzeuge können meist einfach mit Wasser gereinigt werden. Dadurch sind sie besonders für Innenräume geeignet.

Allerdings sind wasserbasierte Lacke nicht vollständig frei von Schadstoffen. Auch sie können VOC, Konservierungsmittel oder Restmonomere enthalten. Zudem erreichen sie teilweise nicht die gleiche Abriebfestigkeit wie klassische Kunstharzlacke.

Eigenschaften lösemittelhaltiger Lacke

Lösemittelhaltige Lacke enthalten organische Lösemittel wie Terpentin, Alkohole oder Aceton. Diese sorgen für eine gute Verarbeitbarkeit und ermöglichen eine besonders widerstandsfähige Beschichtung.

Solche Lacke werden häufig als Kunstharzlacke hergestellt und zeichnen sich durch eine hohe Abriebfestigkeit und gute Haftung aus. Gleichzeitig entstehen während der Verarbeitung und Trocknung hohe Emissionen von VOC und anderen Schadstoffen.

Die starke Geruchsentwicklung kann über längere Zeit anhalten. Deshalb sollten lösemittelhaltige Lacke möglichst nur im Außenbereich oder in sehr gut belüfteten Räumen eingesetzt werden. Auf der anderen Seite bedeutet ein geruchsarmes nicht, dass es schadstofffrei ist, weil in den letzten Jahren viele stark riechende Lösemittel durch weniger stark riechende Glykole ersetzen wurden, die genauso kritisch sein können.

Naturharzlacke und Kunstharzlacke im Vergleich

Neben der Einteilung nach Lösemitteln können Lacke auch nach Herkunft des Bindemittels unterschieden werden.

Naturharzlacke aus natürlichen Rohstoffen

Naturharzlacke bestehen aus natürlichen Rohstoffen wie pflanzlichen Ölen, Harzen oder natürlichen Lösemitteln. Typische Bestandteile sind beispielsweise Leinöl, Balsamterpentinöl, Dammarharz oder Schellack.

Die Herstellung solcher Produkte erfolgt häufig unter ökologisch günstigeren Bedingungen als bei synthetischen Lacken. Dennoch können auch Naturharzlacke flüchtige organische Verbindungen enthalten, die aus den natürlichen Ölen stammen.

Ein weiterer Nachteil liegt in der längeren Trocknungszeit und der teilweise geringeren mechanischen Belastbarkeit.

Kunstharzlacke auf synthetischer Basis

Kunstharzlacke basieren auf synthetischen Bindemitteln wie Acrylaten, Polyurethan oder Epoxidharzen. Sie sind besonders widerstandsfähig und werden deshalb häufig für stark beanspruchte Oberflächen eingesetzt.

Allerdings können bei Herstellung, Verarbeitung und Nutzung zahlreiche Schadstoffe entstehen. Zudem basieren diese Produkte meist auf petrochemischen Rohstoffen und sind nur schwer recycelbar.

Wichtige Lackarten im Überblick

Neben der chemischen Zusammensetzung lassen sich Lacke auch nach ihrem technischen Aufbau unterscheiden.

Dispersionslacke

Dispersionslacke sind wasserbasierte Beschichtungsstoffe, bei denen das Bindemittel fein im Wasser verteilt ist. Sie werden häufig für Fenster, Heizkörper oder Metalloberflächen eingesetzt.

Obwohl sie als vergleichsweise emissionsarm gelten, können auch Dispersionslacke VOC, Konservierungsmittel oder Restmonomere enthalten.

High Solid Lacke

High Solid Lacke besitzen einen besonders hohen Festkörperanteil. Dadurch enthalten sie weniger Lösemittel als klassische Kunstharzlacke. Sie bilden relativ dicke Beschichtungsschichten und werden häufig im Fenster- oder Heizkörperbereich eingesetzt.

Reaktionslacke

Reaktionslacke sind mehrkomponentige Systeme, die durch chemische Reaktionen aushärten. Dazu gehören beispielsweise Polyurethan- oder Epoxidharzlacke.

Diese Produkte werden häufig bei Parkettversiegelungen, Möbelbeschichtungen oder industriellen Anwendungen eingesetzt. Die Verarbeitung ist anspruchsvoll und sollte möglichst von Fachpersonal durchgeführt werden.

Synthetische Bindemittel in Lacken

Die Eigenschaften eines Lacks werden maßgeblich durch das verwendete Bindemittel bestimmt.

Polyurethan

Polyurethanlacke zeichnen sich durch hohe Elastizität und Abriebfestigkeit aus. Sie werden häufig für stark beanspruchte Oberflächen eingesetzt. Problematisch sind jedoch die bei der Herstellung verwendeten Isocyanate, die gesundheitsschädlich sein können.

Acrylharze

Acrylharze kommen sowohl in wasserbasierten als auch in lösemittelhaltigen Lacken vor. Sie bieten eine gute Wetterbeständigkeit, Farbstabilität und Alterungsbeständigkeit. Trotzdem können auch Acrylharzlacke VOC oder Konservierungsmittel enthalten.

Alkydharze

Alkydharze gehören zu den klassischen Bindemitteln in Lacken und werden häufig für Holz- und Metallbeschichtungen verwendet. Der Nachteil liegt im oft hohen Lösemittelgehalt und den möglichen Emissionen während der Trocknung.

Kritische Inhaltsstoffe in Lacken

Viele Lacke enthalten Zusatzstoffe, die ihre technischen Eigenschaften verbessern sollen. Einige dieser Stoffe sind jedoch gesundheitlich oder ökologisch problematisch.

Biozide werden beispielsweise eingesetzt, um Mikroorganismen im Lack zu verhindern. Besonders häufig kommen Isothiazolinone zum Einsatz, die allergische Hautreaktionen auslösen können.

Weichmacher erhöhen die Flexibilität von Lackfilmen. Besonders Phthalate stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und gesundheitliche Auswirkungen zu haben.

Ein weiteres Problem sind sogenannte Restmonomere. Dabei handelt es sich um unverbrauchte Ausgangsstoffe aus der Polymerisation der Bindemittel. Diese Stoffe können über längere Zeit ausgasen und die Raumluft belasten.

Zusätzlich können Lacke weitere Zusatzstoffe wie Katalysatoren, UV-Stabilisatoren oder Flammschutzmittel enthalten, die ebenfalls gesundheitliche Risiken mit sich bringen können.

Wichtige Umweltzeichen und Kennzeichnungen für Lacke

Bei der Auswahl von Lacken können Umweltzeichen und Kennzeichnungen eine wichtige Orientierung bieten.

Blauer Engel

Der Blaue Engel (Schadstoffarme Lacke (DE-UZ 12a)) kennzeichnet Lacke mit vergleichsweise niedrigen Emissionen und reduziertem Schadstoffgehalt. Die Kriterien umfassen unter anderem eine Begrenzung von VOC sowie den Ausschluss besonders gefährlicher Stoffe.

GISCODE

Der GISCODE ist ein Gefahrstoff-Informationssystem der Bauwirtschaft. Er ordnet Produkte in Gruppen mit ähnlichen Gesundheitsrisiken ein und erleichtert dadurch die Auswahl geeigneter Materialien.

natureplus

Das natureplus-Siegel gehört zu den strengsten Zertifizierungen für Bauprodukte. Für Lacke existiert derzeit jedoch kein Produkt mit dieser Auszeichnung.

Baubiologische Empfehlungen für Lacke im Innenraum

Aus baubiologischer Sicht sollte der Einsatz von Lacken in Innenräumen möglichst reduziert werden. Viele Produkte können Schadstoffe freisetzen und die Raumluftqualität beeinträchtigen.

Wenn eine Lackierung notwendig ist, sollte auf emissionsarme Produkte geachtet werden. Umweltzeichen wie der Blaue Engel können eine hilfreiche Orientierung darstellen. Auch wasserbasierte Lacke oder Naturharzlacke können eine vergleichsweise verträglichere Alternative sein, auch wenn sie nicht vollständig frei von Emissionen sind.

In vielen Fällen können diffusionsoffene Oberflächenbehandlungen wie Öle oder Wachse eine gesündere Alternative darstellen. Sie schützen Materialien ebenfalls und tragen gleichzeitig zu einem angenehmen Raumklima bei.

Häufige Fragen zu Lacken (FAQs)

Lacke und Farben sind beides Beschichtungsstoffe, unterscheiden sich jedoch in ihrer Funktion. Farben werden hauptsächlich zur dekorativen Gestaltung von Oberflächen verwendet und besitzen meist eine geringere Schichtstärke. Lacke bilden hingegen eine dichtere und widerstandsfähigere Beschichtung, die Oberflächen zusätzlich vor Feuchtigkeit, mechanischer Belastung und chemischen Einflüssen schützt.

Für Innenräume werden bevorzugt wasserbasierte Lacke bzw. Dispersionslacke verwendet, da sie in der Regel weniger flüchtige organische Verbindungen enthalten als lösemittelhaltige Produkte. Bei der Auswahl sollte möglichst auf emissionsarme Lacke mit Umweltzeichen wie dem Blauen Engel geachtet werden.

Nein. Wasserbasierte Lacke enthalten zwar weniger Lösemittel als klassische Kunstharzlacke, können jedoch weiterhin Konservierungsmittel, Restmonomere oder andere Zusatzstoffe enthalten. Auch diese Stoffe können während der Verarbeitung oder später in die Raumluft abgegeben werden.

VOC sind flüchtige organische Verbindungen, die aus Lacken während der Verarbeitung und Trocknung freigesetzt werden können. Diese Stoffe können die Raumluft belasten und Beschwerden wie Kopfschmerzen, Atemwegsreizungen oder allergische Reaktionen verursachen.

Die meisten Emissionen entstehen während der Verarbeitung und in den ersten Tagen nach dem Streichen. Einige Stoffe können jedoch über Wochen oder sogar Monate langsam aus der Beschichtung freigesetzt werden. Eine gute Belüftung nach dem Streichen kann die Belastung deutlich reduzieren.

Grundsätzlich ist das möglich, wenn die vorhandene Beschichtung stabil und unproblematisch ist. Bei älteren Lackschichten sollte jedoch geprüft werden, ob sie Schadstoffe wie Schwermetalle enthalten. Beim Anschleifen können belastete Stäube entstehen, die gesundheitsschädlich sein können.

Naturharzlacke bestehen aus natürlichen Rohstoffen wie pflanzlichen Ölen, Naturharzen oder natürlichen Lösemitteln. Sie werden häufig als ökologische Alternative zu synthetischen Lacken betrachtet. Dennoch können auch sie VOC enthalten und sind daher nicht automatisch emissionsfrei.

Reaktionslacke sind Beschichtungssysteme, die aus zwei oder mehr Komponenten bestehen. Diese reagieren chemisch miteinander und bilden eine besonders widerstandsfähige Oberfläche. Sie werden häufig bei Parkettversiegelungen oder industriellen Beschichtungen eingesetzt. Die Verarbeitung erfordert jedoch besondere Fachkenntnisse und Schutzmaßnahmen.

Zu den problematischen Inhaltsstoffen gehören unter anderem Biozide, Konservierungsmittel, Weichmacher sowie bestimmte Lösemittel. Auch Restmonomere aus der Herstellung von Kunstharzen können noch lange nach der Verarbeitung aus dem Lack ausgasen und die Raumluft belasten.

Ja. In vielen Fällen können Oberflächen auch mit diffusionsoffenen Materialien behandelt werden. Dazu gehören beispielsweise Holzöle oder Wachse. Diese Produkte schützen Oberflächen ebenfalls, ohne sie vollständig zu versiegeln, und können dadurch zu einem besseren Raumklima beitragen.

Dipl. Ing. Ester Karl
Dipl. Ing. Ester Karl

Bauingenieurin, Baubiologin (IBN), baubiologische Messtechnikerin (IBN) für Schimmel und Schadstoffe in Innenräumen

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