Alte Holzwerkstoffe wie zB OSB-Platten können stark mit Formaldehyd belastet sein.

Formaldehyd in Innenräumen: Ursachen, Risiken und wichtige Grenzwerte

Formaldehyd gehört zu den bekanntesten und gleichzeitig problematischsten Innenraumschadstoffen. Der Stoff ist in vielen Bauprodukten, Möbeln und Alltagsmaterialien enthalten. In geschlossenen Räumen kann es ausgasen, sich in der Raumluft anreichern und gesundheitliche Beschwerden auslösen. Dieser Artikel zeigt, wie es entsteht, warum es kritisch ist, welche Grenzwerte gelten und wie du dein Zuhause bestmöglich schützen kannst.

Was ist Formaldehyd?

Formaldehyd ist eine farblose, durchdringend stechend riechende chemische Verbindung, die zu den flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) zählt. Es wird industriell in großen Mengen hergestellt und findet sich als Bindemittel oder Bestandteil in zahlreichen Bau- und Holzwerkstoffen. Es wird auch als Konservierungsmittel eingesetzt. In Innenräumen kann es über viele Jahre ausgasen. Bei Wärme, trockener Luft oder von frischen Bauprodukten können die Ausgasungen besonders hoch sein.

Es gehört zu den am besten untersuchten Innenraumschadstoffen, und seine gesundheitliche Relevanz ist umfassend dokumentiert. Bereits geringe Mengen können Beschwerden verursachen.

Auch bei natürlichem Holz kann es durch die Zersetzung von Lignin unter Lichteinfluss zu einer geringen Abgabe kommen. Diese liegt bei Eiche zwischen 0,002 ppm und bei Kiefer bei 0,009 ppm. 

Warum ist Formaldehyd kritisch?

Es ist ein bekanntes Atemwegsreizgas und in höheren Konzentrationen eindeutig gesundheitsschädlich. Es kann Augen- und Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit verursachen. 2004 wurde Formaldehyd als nachweislich krebserregend für den Menschen eingestuft. In flüssiger Form ist es ein starkes Kontaktallergen. Die Auswirkungen durch Einatmen und einer daraus resultierenden Verschlimmerung von z.B. Asthma sind noch nicht abschließend geklärt.

Zu den möglichen Symptomen gehören:

  • Reizungen von Augen, Nase und Atemwegen,
  • Brennen und Kratzen im Hals,
  • Kopfschmerzen,
  • Müdigkeit und Konzentrationsprobleme,
  • Husten, Atembeschwerden,
  • Allergische Reaktionen,
  • Erhöhtes Krebsrisiko bei langfristiger Exposition.

Besonders empfindlich reagieren Kinder, Allergiker:innen und Menschen mit Atemwegserkrankungen. In Neubauten oder nach Renovierungen treten häufig kurzfristig erhöhte Werte auf, die sich mit der Zeit reduzieren, aber je nach Bindungsart in den Werkstoffen langfristig bestehen bleiben können.

Wo kann Formaldehyd enthalten sein?

Formaldehyd steckt in vielen Baumaterialien, Möbeln und Alltagsprodukten. Am häufigsten wurde es für die Bindemittel von Holzwerkstoffplatten wie OSB-Platten und Spanplatten verwendet. Bei Holzwerkstoffplatten kommt es im Zuge einer geringfügigen Zersetzung zu einer andauernden Abgabe, dessen Höhe bei den einzelnen Plattentypen sehr unterschiedlich ist. Harnstoff-Formaldehyd-Harze (UF-Harze) weisen aufgrund ihrer geringen Vernetzung hohe Emissionen auf. 

Typische Quellen in Innenräumen:

  • Spanplatten, MDF- und OSB-Platten (UF-Harze = Urea-Formaldehyd-Harze),
  • Möbel aus Holzwerkstoffen (besonders kostengünstige Modelle),
  • Laminat, Fußbodenunterlagen und Holzfurniere,
  • Teppiche und textile Beläge mit Formaldehydharzen,
  • Lacke, Farben, Imprägnierungen,
  • Klebstoffe, Dichtstoffe, Schaumstoffe,
  • Textilien, Vorhänge, Wohnaccessoires,
  • Zigarettenrauch (starke Eintragsquelle),
  • Reinigungsmittel oder Desinfektionsmittel.

Die Emissionen können durch 

  • trockene, warme Luft steigert die Abgabe,
  • neue Produkte emittieren besonders stark,
  • schlechte Lüftung verstärkt die Belastung

verstärkt werden. 

Alte, schlecht belüftete oder stark beheizte Räume können daher besonders hohe Werte zeigen.

Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob das natürliche Formaldehyd aus Holz die gleichen gesundheitlichen Auswirkungen hat wie synthetisches. Insgesamt sind die Abgaben durch Holz aber viel geringer als aus anderen Innenraumquellen. 

Welche Grenzwerte gelten für Formaldehyd?

In Deutschland gibt es mehrere Leit- und Richtwerte, die zur Bewertung in Innenräumen herangezogen werden. Diese Werte gelten als gesundheitlich begründete Orientierung.

In jedem Haus gibt es eine Hintergrundkonzentration. Diese beträgt zwischen 0,01 und 0,03ppm. Für den Innenraum dürfen nur noch Produkte verwendet werden, die die Formaldehyd-Emissionsklasse E1 (max. 0,1 ppm) erreichen. 

Gesetz/Richtlinie/Empfehlung/VergleichswertMax. Konzentration
AGW370 µg/m³
BGA120 µg/m³
UBA/AIR100 µg/m³
WHO100 µg/m³
DGNB-Zertifizierung (beste Stufe)30 µg/m³
VDB-Zert (beste Stufe)30 µg/m³
AGÖF-Orientierungswert30 µg/m³
VDI25 µg/m³
EU-Richtwert62 µg/m³
SBM-24Wert < 20 µg/m³ oder < 0,016 ppm gelten als unauffällig  
Geruchswahrnehmungab 50 µg/m³
Lebensgefahrab 30.000 µg/m³
Natur< 2 µg/m³
Zigarettenrauch1.500 µg Formaldehyd je Zigarette

Umrechnung für Formaldehyd: 0,1 ppm = 0,125 mg/m³ = 125 µg/m³

Werte über 100 µg/m³ gelten als sanierungsrelevant und sollten dringend abgeklärt werden. In sensiblen Bereichen (Kinderzimmer, Schlafräume) empfiehlt die Baubiologie deutlich niedrigere Werte.

Wie kann Formaldehyd vermieden werden?

Die Formaldehydbelastung in Innenräumen kann sehr einfach reduziert werden. Der Schlüssel sind emissionsarme Materialien, gutes Lüften und bewusste Produktwahl.

Formaldehyd kann durch Schafwolle gebunden werden. Dafür sollte das Schaffell nicht mit Mottenschutzmitteln oder behandelt sein. Diese Lösung sollte aber nur gewählt werden, wenn die betroffenen Bauteile und Produkte nicht entfernt werden können. 

Emissionsarme Baustoffe und Möbel verwenden

Besonders Baustoffe und Möbel aus Holzwerkstoffen können belastet sein. Neue OSB-Platten werden auf Grund der verschärften Grenzwerte mittlerweile formaldehydfrei produziert. Es kann auf Produkte mit folgenden Gütesiegeln zurückgegriffen werden:

  • Blauer Engel,
  • Natureplus,
  • EU Ecolabel,
  • Emicode EC1 / EC1 PLUS.

Neue Möbel und Baustoffe ausgasen lassen

  • Verpackungen sofort entfernen.
  • Möbel zunächst in gut belüfteten Räumen „auslüften“.
  • Raumtemperatur moderat halten.
  • Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig (40–50 %).

Innenraumklima optimieren

  • Regelmäßiges Stoß- und Querlüften.
  • Keine dauerhaft warme, übertrocknete Raumluft.
  • Luftreiniger mit Aktivkohle als Übergangslösung.

Rauchen in Innenräumen vermeiden

Zigarettenrauch zählt zu den stärksten Quellen für Formaldehyd und viele weitere VOCs.

Baubiologische Messung durchführen

Eine professionelle Raumluftanalyse zeigt zuverlässig, ob Formaldehyd ein Problem darstellt. Das ist besonders sinnvoll nach

  • Renovierungen,
  • Möbelkäufen,
  • Neubauten,
  • Beschwerden wie gereizten Augen oder Kopfweh.

Weiterführende Informationen zu Formaldehyd

Umweltbundesamt: Innenraumrichtwerte

Umweltportal NRW

AGÖF-Orientierungswerte für flüchtige organische Verbindungen in der Raumluft

Zusammenfassung

Formaldehyd ist ein weit verbreiteter Innenraumschadstoff, der aus Möbeln, Holzwerkstoffen, Klebern, Textilien oder Farben ausgasen kann. Der Stoff reizt schon in niedrigen Konzentrationen Augen und Atemwege und ist bei langfristiger Belastung krebserregend. Die wichtigsten Grenzwerte liegen zwischen 60 und 100 µg/m³. Mit emissionsarmen Produkten, gutem Lüften und bewusster Baustoffwahl lässt sich die Belastung deutlich reduzieren. Eine baubiologische Messung schafft Klarheit, wenn Beschwerden auftreten oder der Verdacht auf eine erhöhte Formaldehydkonzentration besteht.

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Häufige Fragen über Formaldehyd (FAQ)

Formaldehyd ist eine farblose, stechend riechende chemische Verbindung aus der Gruppe der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Es wird vor allem als Bindemittel in Holzwerkstoffen und als Konservierungsmittel eingesetzt. In Innenräumen kann es über viele Jahre ausgasen.

Ja. Formaldehyd reizt schon in geringen Konzentrationen Augen, Nase und Atemwege und gilt seit 2004 als nachweislich krebserregend für den Menschen. In flüssiger Form ist es ein starkes Kontaktallergen. Besonders empfindlich reagieren Kinder, Allergiker:innen und Menschen mit Atemwegserkrankungen.

Typisch sind gereizte Augen, Brennen im Hals, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Husten und Atembeschwerden sowie allergische Reaktionen. Bei langfristiger Belastung steigt das Krebsrisiko.

Häufigste Quellen sind Holzwerkstoffe mit Harnstoff-Formaldehyd-Harzen wie Span-, MDF- und ältere OSB-Platten, dazu Möbel aus Holzwerkstoffen, Laminat, Teppiche, Lacke, Klebstoffe, Dicht- und Schaumstoffe sowie Textilien. Eine besonders starke Quelle ist Zigarettenrauch.

Warme, trockene Luft erhöht die Ausgasung, neue Produkte emittieren besonders stark, und schlechte Lüftung lässt die Konzentration ansteigen. Alte, stark beheizte oder schlecht belüftete Räume zeigen daher oft hohe Werte.

Ja, aber nur in sehr geringen Mengen durch die Zersetzung von Lignin unter Lichteinfluss, bei Eiche etwa 0,002 ppm, bei Kiefer rund 0,009 ppm. Das ist deutlich weniger als aus Holzwerkstoffen mit Kunstharzbindung. Ob dieses natürliche Formaldehyd dieselbe Wirkung hat wie synthetisches, ist noch nicht abschließend geklärt.

Für Innenräume dürfen nur Produkte der Emissionsklasse E1 mit maximal 0,1 ppm verwendet werden. WHO und Umweltbundesamt nennen rund 100 µg/m³, der EU-Richtwert liegt bei etwa 62 µg/m³. Werte über 100 µg/m³ gelten als sanierungsrelevant. Die Baubiologie ist strenger: Nach SBM gelten Werte unter etwa 20 µg/m³ als unauffällig.

E1 ist die in Deutschland für Innenräume zulässige Emissionsklasse für Holzwerkstoffe mit maximal 0,1 ppm. Sie ist eine Mindestanforderung, in sensiblen Bereichen wie Kinder- und Schlafzimmern empfiehlt die Baubiologie deutlich niedrigere Werte.

Neue OSB-Platten werden aufgrund der verschärften Grenzwerte mittlerweile formaldehydfrei produziert. Bei Holzwerkstoffen lohnt sich grundsätzlich der Blick auf Gütesiegel wie Blauer Engel, Natureplus, EU Ecolabel oder Emicode EC1 und EC1 PLUS.

Setze auf emissionsarme, zertifizierte Materialien, entferne Verpackungen sofort und lasse neue Möbel in gut belüfteten Räumen ausgasen. Lüfte regelmäßig per Stoß- und Querlüftung, halte die Luft nicht zu warm und trocken (Luftfeuchte 40 bis 50 Prozent) und vermeide Rauchen in Innenräumen. Ein Luftreiniger mit Aktivkohle hilft als Übergangslösung.

Aus Holzwerkstoffen kann Formaldehyd über viele Jahre abgegeben werden. Wie stark und wie lange, hängt von der Bindungsart ab: Harnstoff-Formaldehyd-Harze emittieren wegen ihrer geringen Vernetzung besonders viel. In Neubauten und nach Renovierungen sind die Werte anfangs erhöht und sinken mit der Zeit, können je nach Material aber dauerhaft bestehen bleiben.

Sicherheit gibt nur eine baubiologische Raumluftanalyse. Sinnvoll ist sie besonders nach Renovierungen, Möbelkäufen oder Neubau sowie bei Beschwerden wie gereizten Augen oder Kopfschmerzen.

Dipl. Ing. Ester Karl
Dipl. Ing. Ester Karl

Bauingenieurin, Baubiologin (IBN), baubiologische Messtechnikerin (IBN) für Schimmel und Schadstoffe in Innenräumen

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