Radon im Haus

Radon im Haus: das unsichtbare Risiko, das kaum jemand misst

Radon ist der Schadstoff mit dem größten Missverhältnis zwischen Risiko und Aufmerksamkeit. Schimmel siehst du. Formaldehyd riechst du im Zweifel. Radon nicht: kein Geruch, kein Geschmack, keine Farbe, keine Symptome, die sich zuordnen lassen. Genau deshalb landet Radon im Haus in der Praxis fast nie auf der Prioritätenliste, weder bei Bauherr:innen noch bei Sanierungsberatungen.

Dieser Artikel ordnet ein, was gesichert ist, was übertrieben wird und was du konkret tun kannst.

Kurzantwort: Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas aus dem Erdboden. Es ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland. Der gesetzliche Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft (Bq/m³) im Jahresmittel. Ob dein Haus betroffen ist, lässt sich ausschließlich durch eine Messung feststellen, nicht durch Karten, Baujahr oder Bauweise.

Was ist Radon eigentlich?

Radon (genauer: Radon-222) entsteht im Boden durch den radioaktiven Zerfall von Uran und Radium. Beides kommt überall in der Erdkruste vor, je nach Geologie in sehr unterschiedlichen Mengen. Granit, Gneis und bestimmte Schiefer liefern deutlich mehr als Sand- oder Kalksteinböden.

Im Freien verdünnt sich Radon sofort. Die Außenluftkonzentration liegt in Deutschland typischerweise bei etwa 5 bis 30 Bq/m³. Zum Problem wird das Gas erst, wenn es sich in geschlossenen Räumen anreichert.

Entscheidend für das Gesundheitsrisiko ist übrigens nicht Radon selbst, sondern seine Zerfallsprodukte: Polonium, Blei und Wismut. Diese sind feste Partikel, lagern sich an Staub an, werden eingeatmet und bleiben im Bronchialgewebe hängen. Dort geben sie Alphastrahlung direkt ans Lungengewebe ab.

Wie kommt Radon ins Haus?

Der mit Abstand wichtigste Weg ist der Baugrund. Baustoffe spielen in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn Naturstein, Bims oder bestimmte Schlacken einen kleinen Beitrag leisten können.

Radon wird regelrecht ins Gebäude gesaugt. Warme Raumluft steigt auf, im unteren Gebäudebereich entsteht ein leichter Unterdruck gegenüber der Bodenluft, und dieser Unterdruck zieht radonhaltige Luft durch jede Undichtigkeit nach innen:

  • Risse in Bodenplatte und Kellerwänden
  • undichte Rohr- und Kabeldurchführungen
  • Fugen zwischen Boden und Wand
  • Kellerschächte, Lichtschächte, Pumpensümpfe
  • Naturkeller und Kellerböden ohne Abdichtung
  • offene Kellertreppen als Verbindung nach oben

Typisch ist ein starkes Gefälle: Keller hoch, Erdgeschoss deutlich niedriger, Obergeschoss oft unauffällig. Und typisch ist auch der Jahresverlauf. Im Winter ist der thermische Auftrieb am größten und gelüftet wird am wenigsten, deshalb liegen die Werte im Winter regelmäßig um ein Vielfaches über den Sommerwerten. Genau deshalb ist eine Kurzzeitmessung im August wertlos für die Bewertung.

Wie gelangt Radon ins Haus

Wie gefährlich ist Radon wirklich?

Hier lohnt sich Genauigkeit, weil das Thema in beide Richtungen verzerrt wird.

Gesichert ist: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat berechnet, dass rund 6 Prozent aller Lungenkrebs-Todesfälle in Deutschland auf Radon in Wohnungen zurückgehen. Für den untersuchten Zeitraum 2018 bis 2022 sind das etwa 2.800 Todesfälle pro Jahr. Damit ist Radon nach dem Rauchen der wichtigste bekannte Auslöser von Lungenkrebs.

Pro 100 Bq/m³ dauerhafter Radonkonzentration steigt das Lungenkrebsrisiko nach heutigem Kenntnisstand um etwa 16 Prozent. Einen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon sicher unbedenklich wäre, gibt es nicht. Das ist der zentrale Punkt, den der gesetzliche Referenzwert nicht abbildet.

Wichtig für die Einordnung:

  • Rauchen und Radon multiplizieren sich. Für Raucher:innen ist das absolute Zusatzrisiko durch Radon um ein Vielfaches höher als für Nichtraucher:innen. Die BfS-Auswertung ordnet 41 Prozent der radonbedingten Fälle aktuellen Raucher:innen zu, 41 Prozent ehemaligen und 19 Prozent Menschen, die nie geraucht haben.
  • Es geht um Jahrzehnte, nicht um Wochen. Ein einzelner Winter in einem belasteten Keller ist kein relevantes Risiko. Zwanzig Jahre Schlafen in einem belasteten Souterrainzimmer sind es.
  • Kinder sind nach heutiger Datenlage nicht überproportional betroffen. Das BfS sieht keine Belege dafür, dass Radon das Krebsrisiko bei Kindern stärker erhöht als bei Erwachsenen. Trotzdem gilt: Wer früh exponiert wird, sammelt über das Leben mehr Dosis an.
  • Radon verursacht keine akuten Beschwerden. Wer Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Reizungen hat, sollte zuerst bei Raumklima, VOC, Schimmel und Feuchte suchen. Radon ist ein reines Langzeitrisiko.

Referenzwert 300 Bq/m³: kein Grenzwert, sondern ein Kompromiss

Das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) legt seit Ende 2018 einen Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel fest, für Aufenthaltsräume (§ 124) ebenso wie für Arbeitsplätze (§ 126).

Ein Referenzwert ist ausdrücklich kein Grenzwert. Er beschreibt, ab wann Maßnahmen auf jeden Fall geprüft werden müssen, nicht, ab wann Radon schädlich wird. Das BfS formuliert das selbst so: Schutzmaßnahmen sind auch unterhalb des Referenzwerts sinnvoll.

Der Vergleich zeigt, wie weit die Bewertungen auseinanderliegen:

QuelleWertCharakter
Strahlenschutzgesetz (§ 124, § 126)300 Bq/m³Referenzwert, Jahresmittel
WHO, Umweltbundesamt, BfS-Empfehlung100 Bq/m³Empfehlung
BVS-Empfehlung Neubau, Dänemark Neubau100 Bq/m³Empfehlung Neubau
EPA (USA)150 Bq/m³Handlungswert
Norwegen, Schweden, England200 Bq/m³Referenzwert
Durchschnitt Innenräume Deutschlandca. 50 Bq/m³Ist-Zustand
Außenluft Deutschlandca. 5 bis 30 Bq/m³Hintergrund

Deutschland hat sich beim Referenzwert am oberen Ende des international Üblichen orientiert. Wer sich an 300 Bq/m³ als Zielwert orientiert, akzeptiert bewusst ein Risiko, das die WHO seit Jahren für zu hoch hält.

Die baubiologische Bewertung ist strenger

Der Standard der Baubiologischen Messtechnik (SBM-2024) bewertet Radon im Schlafbereich als Vorsorgewert deutlich schärfer:

Radon in Bq/m³Baubiologische Einstufung
unter 30unauffällig
30 bis 60schwach auffällig
60 bis 200stark auffällig
über 200extrem auffällig

Zu diesen Werten wird die örtliche Jahresmittel-Außenluftkonzentration addiert, der Richtwert erhöht sich also um die natürliche Hintergrundbelastung.

Das ist kein Widerspruch zum Gesetz, sondern ein anderer Maßstab: Der Referenzwert fragt, ab wann der Staat Handlungsbedarf sieht. Der baubiologische Richtwert fragt, was im Schlafbereich über Jahrzehnte vertretbar ist. Bei einem Messwert von 250 Bq/m³ im Schlafzimmer besteht rechtlich keine Pflicht zu handeln. Baubiologisch ist dieser Wert nicht akzeptabel.

Wo ist Radon in Deutschland und Bayern ein Thema?

Die Bundesländer mussten bis Ende 2020 sogenannte Radon-Vorsorgegebiete festlegen. Das sind Gebiete, in denen erwartet wird, dass in über 10 Prozent der Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ überschritten wird.

Bayern hat ein einziges Vorsorgegebiet ausgewiesen: den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge mit seinen Gemeinden. Bundesweit betroffen sind vor allem Regionen mit granitischem oder metamorphem Untergrund, unter anderem Erzgebirge, Vogtland, Thüringer Wald, Bayerischer Wald, Fichtelgebirge und Teile des Schwarzwalds. Erhöhte Werte treten laut BfS insbesondere in Mittelgebirgsregionen und im Alpenvorland auf.

Hier kommt der Punkt, an dem die meisten Beratungen falsch abbiegen:

Die Vorsorgegebietskarte sagt nichts über dein Haus aus. Auch innerhalb eines Vorsorgegebiets überschreitet die Mehrheit der Gebäude den Referenzwert nicht. Und außerhalb der Vorsorgegebiete gibt es sehr wohl Häuser mit hohen Werten, weil lokale Klüfte, durchlässige Schotterschichten, ein Naturkeller oder eine ungünstige Gebäudekonstruktion mehr ausmachen können als die großflächige Geologie. Das LfU Bayern formuliert das ausdrücklich so: Eine Vorhersage der Radonkonzentration in einzelnen Gebäuden ist nicht möglich.

Für die Region Ingolstadt und das nördliche Oberbayern heißt das: kein Vorsorgegebiet, aber auch keine Entwarnung im Einzelfall. Die Radonkarte des BfS ist ein Anhaltspunkt für die Wahrscheinlichkeit, nicht für deinen Grundriss. Wer ein Kellergeschoss dauerhaft nutzt, als Büro, Gästezimmer, Homegym oder Hobbyraum, sollte messen, unabhängig von der Karte.

Welche Pflichten gelten wirklich?

Die Rechtslage wird häufig übertrieben oder unterschätzt. Der Stand ist eindeutig:

Wohnräume: Es gibt keine Messpflicht und keine Sanierungspflicht. Radonmessungen im Wohnbereich sind freiwillig, aber empfohlen. Auch Vermieter:innen sind nicht verpflichtet zu messen.

Neubau, überall: Nach § 123 StrlSchG muss bei jedem Neubau mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen ein Basisschutz umgesetzt werden, der den Zutritt von Radon verhindert oder erheblich erschwert. Diese Pflicht gilt als erfüllt, wenn die Maßnahmen zum Feuchteschutz nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.

Neubau im Vorsorgegebiet: Zusätzlich muss mindestens eine weitere Maßnahme nach § 154 StrlSchV umgesetzt werden, etwa Absaugung unter der Bodenplatte, diffusionshemmende Betonsorten, Begrenzung der Rissbildung oder gezielte Beeinflussung der Druckverhältnisse.

Arbeitsplätze: Der Referenzwert von 300 Bq/m³ gilt bundesweit. In Vorsorgegebieten sind Messungen an allen Arbeitsplätzen im Keller- und Erdgeschoss verpflichtend (§ 127 StrlSchG), über zwölf Monate und mit Messgeräten von einer anerkannten Stelle. Wird der Referenzwert überschritten, müssen unverzüglich Schutzmaßnahmen ergriffen werden (§ 128 StrlSchG), auch außerhalb von Vorsorgegebieten.

Kritisch dazu: Dass der Basisschutz beim Neubau mit dem Feuchteschutz nach anerkannten Regeln der Technik als erfüllt gilt, ist eine bemerkenswert bequeme Konstruktion. Eine fachgerechte Abdichtung reduziert den Radoneintritt tatsächlich erheblich. Sie ist aber nicht dafür ausgelegt und wird auch nicht daraufhin geprüft. Faktisch bedeutet die Regelung: In den allermeisten Neubauten wird zum Thema Radon nichts geplant, nichts geprüft und nichts gemessen. Wer sichergehen will, muss nach dem Bezug selbst messen.

Wie misst man Radon richtig?

Eine belastbare Radonmessung ist unspektakulär und günstig. Sie dauert nur lange.

Standard ist die Langzeitmessung über zwölf Monate mit passiven Exposimeteren, meist Kernspurdetektoren. Diese kleinen Dosen brauchen keinen Strom, werden aufgestellt und nach Ablauf ans Labor zurückgeschickt. Kosten liegen üblicherweise im Bereich von etwa 30 bis 60 Euro pro Detektor inklusive Auswertung. Für ein Einfamilienhaus reichen meist zwei bis drei Geräte. Besser sind digitale Radonmessgeräte, die den Verlauf der Belastung aufzeichnen und somit gezielter auswertbar sind. Gute Geräte sind das Radon Eye und das AranetRN One.

Wo messen: in den Räumen, in denen du dich tatsächlich lange aufhältst. Also Schlafzimmer, Kinderzimmer, Wohnzimmer und, falls genutzt, der Kellerraum. Ein Detektor im ungenutzten Heizungskeller liefert einen hohen Wert und keine relevante Aussage über deine Exposition.

Wie aufstellen: frei im Raum, nicht direkt am Fenster, nicht auf der Heizung, nicht im Schrank, mindestens etwa 25 cm von Wänden entfernt und in Atemhöhe oder auf einem Möbelstück. Während der Messung normal wohnen und normal lüften, sonst misst du eine Fiktion.

Kurzzeitmessungen über einige Tage oder Wochen und elektronische Radonmonitore für den Hausgebrauch sind für die Bewertung nach Referenzwert nicht geeignet. Sie sind trotzdem nützlich: als schnelle Orientierung, ob überhaupt ein Verdacht besteht, und vor allem zur Ursachensuche, weil sie zeigen, wie sich Werte über den Tag, beim Lüften oder beim Betrieb einer Lüftungsanlage verändern. Für jede rechtlich relevante Aussage und für jede Entscheidung über eine Sanierung brauchst du die Jahresmessung. Es muss auch beachtet werden, dass im Winter die Radonwerte in den Innenräumen i.d.R. höher sind.

Für Arbeitsplätze gilt zusätzlich: Die Messgeräte müssen von einer nach § 155 StrlSchV anerkannten Stelle bezogen werden.

Was tun, wenn die Werte zu hoch sind?

Radon lässt sich fast immer wirksam senken. Die Frage ist nur, mit welchem Aufwand. Sinnvoll ist eine Reihenfolge vom Einfachen zum Aufwendigen.

1. Sofortmaßnahme: Lüften. Regelmäßiges Stoßlüften senkt die Konzentration schnell und deutlich. Als Dauerlösung taugt es nicht, weil es Disziplin über Jahrzehnte voraussetzt und im Winter energetisch teuer wird. Es verschafft dir Zeit, bis die eigentliche Ursache behoben ist.

2. Nutzung ändern. Der billigste Radonschutz ist manchmal, das Gästezimmer im Keller nicht zum Dauerschlafzimmer zu machen und den Kellerarbeitsplatz nach oben zu verlegen.

3. Abdichten. Risse in Bodenplatte und Kellerwänden schließen, Rohr- und Kabeldurchführungen radondicht ausbilden, Rand- und Bodenfugen abdichten, Kellertreppe und Kellertür gegenüber dem Wohnbereich dicht ausführen. Das ist Standardhandwerk und oft schon die halbe Miete. Wichtig: Radon findet jede verbliebene Öffnung, punktuelles Abdichten hilft wenig, wenn daneben ein offener Pumpensumpf sitzt.

4. Druckverhältnisse umdrehen. Die wirksamste Lösung bei hohen Werten ist meist die Radonabsaugung unter der Bodenplatte, oft Radonbrunnen genannt. Ein Rohr und ein kleiner Ventilator saugen die Bodenluft ab und führen sie über Dach ab. Damit kehrst du das Druckgefälle um: Statt dass das Haus Bodenluft ansaugt, wird sie am Gebäude vorbeigeführt. Bei Bestandsgebäuden mit dauerhaft hohen Werten ist das in der Regel die Maßnahme mit dem besten Verhältnis von Kosten zu Wirkung.

5. Lüftungstechnik, aber richtig. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und ausgeglichener Zu- und Abluftbilanz senkt Radon zuverlässig. Eine reine Abluftanlage kann das Gegenteil bewirken, weil sie zusätzlichen Unterdruck erzeugt und damit noch mehr Bodenluft ins Gebäude zieht. Das gilt auch für Dunstabzugshauben im Abluftbetrieb und für raumluftabhängige Feuerstätten.

Nach jeder Maßnahme wird erneut über zwölf Monate gemessen. Ohne Nachmessung weißt du nicht, ob die Sanierung funktioniert hat.

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Der blinde Fleck: energetische Sanierung und Radon

Hier liegt aus baubiologischer Sicht das eigentliche Problem, und es wird in Energieberatungen praktisch nie angesprochen.

Jede energetische Sanierung, die die Gebäudehülle dichter macht, reduziert den unfreiwilligen Luftwechsel. Neue Fenster, gedämmte Kellerdecke, abgedichtete Anschlüsse: All das ist richtig und sinnvoll. Es bedeutet aber auch, dass Radon, das weiterhin aus dem Boden nachströmt, langsamer abtransportiert wird. Die Konzentration steigt, ohne dass sich am Eintrag etwas geändert hat.

Verschärft wird das, wenn gleichzeitig eine Abluftanlage eingebaut wird oder wenn nur die Kellerdecke gedämmt und der Keller dabei zum kalten, feuchten, schlecht belüfteten Pufferraum wird, der über Treppe und Durchführungen weiterhin mit dem Wohnbereich verbunden ist.

In keiner der gängigen Förderkulissen und in keinem individuellen Sanierungsfahrplan taucht Radon als Prüfpunkt auf. Das ist eine Lücke, die dich als Eigentümer:in betrifft, nicht die Beratenden. Der praktische Umgang damit ist simpel: vor einer größeren Sanierung eine Radonmessung starten, damit du den Ausgangszustand kennst, und nach der Sanierung erneut messen.

Fünf verbreitete Irrtümer

„Mein Haus ist neu, da ist Radon kein Thema.“ Falsch, und tendenziell umgekehrt. Der gesetzliche Basisschutz beim Neubau bedeutet nur, dass der Feuchteschutz stimmen muss. Gleichzeitig sind Neubauten deutlich luftdichter als Altbauten. Ohne Lüftungsanlage mit ausgeglichener Bilanz kann sich Radon in einem Neubau stärker anreichern als im zugigen Bestand.

„Ich wohne nicht im Vorsorgegebiet, also bin ich sicher.“ Die Ausweisung beschreibt eine statistische Wahrscheinlichkeit für eine Fläche, keinen Zustand für ein Gebäude. Erhöhte Werte gibt es bundesweit.

„Ich habe keinen Keller, also kein Radon.“ Auch eine Bodenplatte ohne Keller hat Fugen, Risse und Durchführungen. Ohne Keller fehlt sogar die Pufferzone zwischen Boden und Wohnraum.

„Radon kommt aus den Baustoffen.“ In Deutschland ist der Baugrund die dominierende Quelle. Baustoffe liefern in der Regel nur einen kleinen Zusatzbeitrag.

„Man kann Radon riechen oder merken.“ Nein. Weder das Gas noch seine Zerfallsprodukte sind wahrnehmbar, und es gibt keine akuten Symptome. Der einzige Zugang ist die Messung.

Was ich dir empfehle

Radon ist einer der wenigen Innenraumschadstoffe, bei denen der Aufwand für Klarheit sehr gering und der mögliche Gewinn sehr groß ist. Für den Preis von zwei bis drei Detektoren bekommst du eine belastbare Aussage über ein Langzeitrisiko, das sonst schlicht unbekannt bleibt.

Konkret:

  • Miss, wenn du Keller- oder Erdgeschossräume dauerhaft nutzt, insbesondere zum Schlafen oder Arbeiten.
  • Miss vor und nach einer energetischen Sanierung.
  • Miss beim Hauskauf, bevor du unterschreibst, zumindest orientierend.
  • Miss über zwölf Monate, nicht über zwei Wochen.
  • Bewerte nicht nur gegen 300 Bq/m³, sondern gegen das, was du im Schlafbereich über zwanzig Jahre akzeptieren willst.

Wenn du unsicher bist, wie du dein Ergebnis einordnest oder welche Maßnahme in deinem Gebäude sinnvoll ist, sprich das in einer baubiologischen Beratung an. Radon gehört dort in die Gesamtbetrachtung von Feuchte, Lüftung, Konstruktion und Nutzung, statt isoliert als Einzelwert behandelt zu werden.

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Häufige Fragen zu Radon

Rechtlich ab 300 Bq/m³ im Jahresmittel, und auch dann nur an Arbeitsplätzen verpflichtend. In Wohnräumen gibt es keine Handlungspflicht. WHO und Umweltbundesamt empfehlen 100 Bq/m³, der baubiologische Richtwert für Schlafbereiche stuft bereits ab 60 Bq/m³ als stark auffällig ein.

Für eine belastbare Aussage zwölf Monate, weil die Werte je nach Jahreszeit stark schwanken. Kürzere Messungen sind nur orientierend und für die Ursachensuche nützlich. Wichtig ist, dass vor allem im Winter und mindestens einer Übergangszeit gemessen wird, weil da die Werte i.d.R. höher sind als im Sommer.

Passive Exposimeter kosten inklusive Laborauswertung meist etwa 30 bis 60 Euro pro Stück. Für ein Einfamilienhaus reichen üblicherweise zwei bis drei Geräte. Ein digitales Messgeräte fängt bei ca. 190€. Eine professionelle Messung fängt bei 250€ an.

Kurzfristig ja, dauerhaft nur bedingt. Stoßlüften senkt die Konzentration schnell, ist aber keine Lösung für die Ursache und im Winter energetisch teuer. Reine Abluftanlagen können die Radonkonzentration sogar erhöhen, weil sie Unterdruck erzeugen.

 In der Regel deutlich weniger. Die höchsten Werte treten im Keller und Erdgeschoss auf, weil Radon aus dem Baugrund eintritt. Über offene Kellertreppen und Installationsschächte kann es aber nach oben gelangen.

Nein. Für Wohnräume besteht keine Messpflicht. Für Arbeitsplätze im Keller und Erdgeschoss in Radon-Vorsorgegebieten dagegen schon.

Erhöht Radon das Krebsrisiko bei Kindern stärker? Nach aktueller Datenlage des Bundesamts für Strahlenschutz gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege. Da sich das Risiko über die Lebenszeit aufsummiert, ist eine frühe Reduzierung trotzdem sinnvoll.

Dipl. Ing. Ester Karl
Dipl. Ing. Ester Karl

Bauingenieurin, Baubiologin (IBN), baubiologische Messtechnikerin (IBN) für Schimmel und Schadstoffe in Innenräumen

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